Patagonien 2
16.11. – 17.12.2025
Puerto Natales mit ca. 20.000 Einwohnern, oft als Tor zum Torres del Paine NP bezeichnet, besitzt eine gewisse touristische Infrastruktur. Wir nutzten unseren Aufenthalt dort zum Auffüllen der Vorräte, für Erledigungen, Wäschereibesuch usw., aber auch das reichhaltige Angebot an Restaurants, um mit Reisefreunden lecker Essen zu gehen.
Amores de Viento von Marcela Romagnoli
Puerto Natales
Nach wenigen Tagen in der Stadt fuhren wir über die Ruta Y290 zum Südeingang (Porteria Serrano) des Torres del Paine NP. Der Park ist seit 1978 UNESCO Biosphärenreservat. Wir übernachteten vor dem Park mit einem herrlichen Blick auf die Gipfel der Südkordilleren. Wenige Tage zuvor war es im Park bei stürmischen Wetter mit Orkanböen und Kälteeinbruch zu einem tragischen Unglück gekommen, bei dem 5 Wanderer auf der mehrtägigen Rundroute ihr Leben verloren und nur noch tot geborgen werden konnten.
Torres del Paine National Park
Wir wählten das 3 Tageticket. Außer Mehrtageswanderungen gibt es unzählige kurze und mittellange Wanderungen. Die Pisten im Park waren mittelprächtig und es herrschte viel Verkehr, vor allem Kleinbusse der Reiseveranstalter.
Mit einem autarken Wohnmobil darf man an drei Plätzen kostenfrei übernachten (Visitors Centre, Lago Gray und Laguna Azul). Seit Januar 2026 ist die Übernachtung an der Laguna Azul auch kostenpflichtig.
Nordenskjöld Lookout
Schwarzzügelibis
die „Torres“, drei steile Granittürme, die dem Park den Namen geben.
Wir erkundeten den Park auf allen Wegen, besuchten Lookouts, unternahmen kleine Wanderungen und im Nu waren die drei Tage vergangen. Eine einzigartige und fotogene Landschaft voller Kontraste.
Weiter fuhren wir nach Süden, nach Punta Arenas an der Magellanstraße, der südlichsten Kontinentalstadt der Welt. Was einst als Militärstützpunkt und Strafkolonie begann erlebte am Ende des 19. Jahrhunderts einen Aufschwung durch das weiße Gold, der Schafzucht und der Wolle. Viele Auswanderer aus Kroatien, England und Deutschland ließen sich hier nieder. Im Stadtzentrum zeugen einige Paläste der Schafbarone vom damaligen Wohlstand.
Entlang der Uferpromenade befinden sich viele Denkmäler, aber auch Spielplätze und ein Skatepark.
Monumento a Tripulantes Goleta Ancud von Guillermo Merino Pedrero
Plaza de Armas
Palacio Sara Braun
Wir besuchten den sehenswerten Stadtfriedhof, der 2012 zum Nationaldenkmal erklärt wurde. Mehr als 600 säulenförmig geschnittene Zypressen säumen die Alleen, in denen man zahlreiche Mausoleen und Grabstätten von Pionieren, Kaufleuten und Einwandererfamilien findet. Sie spiegeln die Geschichte der europäischen Einwanderung nach Patagonien wider.

Cementerio Municipal Sara Braun
Gedenkstätte für die Ureinwohner
Bevor wir bei Mercedes in Punta Arenas an unserem Wagen ein Ventil tauschen ließen, fuhren wir zunächst auf der Ruta 9 nach Süden bis zum Ende der Straße. Dies ist der südlichste Punkt des amerikanischen Festlands den man auf Straße erreichen kann.
Punta Arbol, Ende der Ruta 9
Von hier geht es nur noch zu Fuß weiter.
Zusammen mit Birgit und Jörg unternahmen wir eine schöne Wanderung am Strand bis zum 5,5 Km entfernten Faro San Isidro.
Leuchtturm San Isidro
Nach Paulchens kurzem Werkstattbesuch und einer eher gehobenen Rechnung war unser nächstes Ziel Feuerland. Wir entschieden uns für die kurze Fährverbindung ab Punta Delgada. Entlang der Strecke legten wir einige Fotostopps ein.
Der nächste Halt waren die verlassenen Gebäude der Estancia San Gregorio, einer der ehemals wichtigsten Schaffarmen Patagoniens. Der Betrieb wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und war spezialisiert auf die Produktion von Wolle, Fleisch und Häuten. Die Blütezeit war zwischen 1910 und 1930, der Rückgang ab den 1970er Jahren mit aktuell nur noch eingeschränktem Betrieb. Die Farm funktionierte als nahezu autarke agroindustrielle Anlage mit Scherhallen, Lagerhäusern, Werkstätten, Wohnhäusern für Arbeiter, einer Kapelle, einem Theater, einem eigenen Pier und einer kleinen Eisenbahn zum Warentransport.
Estancia San Gregorio
Unweit befinden sich zwei Schiffswracks am Strand.
Schiffswrack Ambassador
Fähre nach Feuerland
Kurz nach der Fährfahrt verlor Paulchen an einer leichten Steigung an Kraft und ging dann aus. Sehr ungünstig auf einer zweispurigen Landstraße, über die der gesamte Warentransport per LKW in den argentinischen Teil Feuerlands rollt. Wir rollten rückwärts ein bisschen auf die Grasbankette. Achim hatte auf der Fähre auf den kleineren Zweittank umgeschaltet. Also wieder zurück auf den Haupttank schalten, starten, pumpen, starten und… Nach dem x-ten Mal tat sich was und wir rollten wieder.
Die Freude war leider nur von kurzer Dauer und der Wagen ging wieder aus. Inzwischen waren wir glücklicherweise auf einer wenig befahrenen Nebenstraße. Wir waren ratlos, fuhren wir doch wieder auf dem Haupttank. Ob sich vielleicht ein Filter zugesetzt hatte? Unser Wagen hat drei Dieselfilter, einen Separ-Vorfilter mit Wasserabscheider und zwei serienmäßig verbaute Filter. Achim öffnete den Separfilter, der deutlich verschmutzt war, pustete ihn sauber und baute ihn wieder ein. Mehrmals starten und weiter ging die Fahrt.
Am nächsten Tag besuchten wir das verlassene Puerto Percy. Die Siedlung wurde Mitte des 20. Jahrhunderts von der chilenischen Erdölgesellschaft ENAP gebaut und diente hauptsächlich zur Lagerung und Verladung von Rohöl während der Zeit der Erdölförderung in Patagonien.
Geisterstadt Puerto Percy
Kurz vor Porvenir besuchten wir die Laguna de los Cisnes mit den Stromatolithen, die man von einem Holzsteg aus sehen kann. Stromatolithen sind bis zu 3,5 Milliarden Jahre alte, schichtförmige Gesteinsstrukturen, die durch die Aktivität von Mikroorganismen entstehen. Sie gehören zu den ältesten bekannten Lebensspuren der Erde.
Laguna de los Cisnes
Diese drei Tage auf Feuerland wurden überschattet von den wiederholten Zwangsstopps von Paulchen auf freier Strecke und an den ungünstigsten Stellen. Achim hatte inzwischen bei Wind und Regen schon alle Filter mehrmals getauscht und unsere Vorräte waren erschöpft. So fiel die Entscheidung umzukehren und zurück nach Punta Arenas zu fahren. Die Rückfahrt lief erstaunlich problemlos bis 10 Km vor P.A., wir standen und nichts ging mehr. Reisefreunde kamen zufällig vorbei und versuchten noch uns zur Werkstatt zu schleppen, aber ohne laufenden Motor wird die Luft im Bremsenspeicher nicht wieder aufgefüllt und bei zuwenig Druck macht die Bremse endgültig dicht.
Einige Telefonate später schickte uns Mercedes Kaufmann den Notdienst mit Ersatzfilter und die Fahrt ging weiter. Inzwischen war uns klar, dass wir die Dieselpest (eine mikrobielle Verunreinigung von Diesel mit Bildung von schleimigem Schlamm) im Zweittank hatten und nur noch eine komplette Reinigung des Tanks und Austausch aller Filter helfen würde. Zwei Tage später wurde all dies in der Werkstatt erledigt und danach brachen wir guten Mutes wieder in Richtung Feuerland auf. Auffällig war nur, dass die Dieselstandheizung nicht mehr funktionierte.
Auf Feuerland nahmen wir den direkten Weg in Richtung Ushuaia und verließen Chile.
Gedenkstätte für Gaucho Gil
(Argentinischer Volksheiliger, der als Gesetzloser hingerichtet wurde. Er gilt als Helfer in Not, besonders für den Schutz auf Reisen, Gesundheit und Arbeit.)
Bei Rio Grande kamen wir an einer katholische Mission der Salesianer Don Boscos vorbei. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, um indigene Völker zu missionieren und Schulen aufzubauen. Historisch ist die Mission umstritten, da sie mit der Kolonialisierung und dem Rückgang der indigenen Bevölkerung verbunden ist.
Misión Salesiana
Am 7. Dezember erreichten wir Ushuaia „Fin del Mundo“, sozusagen den Umkehrpunkt unserer Patagonienrunde. Die Stadt hat rund 75.000 Einwohner und ist wichtiger Ausgangspunkt für Antarktis Expeditionen.
Ushuaia, südlichste Stadt der Welt am Beagle-Kanal
Nach einem schönen Tag in der Stadt mit Café Besuch, Geschäften gucken, Fotos machen und einem leckeren Abendessen mit Freunden fuhren wir am nächsten Tag weiter zum nahegelegenen Nationalpark Tierra del Fuego. Dies ist der südlichste NP Argentiniens und wurde 1960 gegründet. Er umfasst Wälder, Berge, Moore, Seen, die Küste am Beagle-Kanal und ist beliebt zum Wandern oder Kanufahren. Besonders bekannt ist die Bahia Lapataia, wo sich der Endpunkt der berühmten Ruta Nacional 3 befindet.

Tierra del Fuego National Park
Das Correo del Fin del Mundo, ehemals südlichstes Postamt des Kontinents/Welt ist leider inzwischen geschlossen.
Dominikanermöwe
Bahia Lapataia
Lago Roca
Rio Pipo
Wir verbrachten schöne Tage im Park, unternahmen einige Wanderungen und erkundeten die spektakuläre Landschaft sowie die Tier- und Pflanzenwelt.
Bevor wir den Park verließen wollte Achim noch schnell die Standheizung wieder zum Laufen bringen, da wohl die Ansaugpumpe Luft gezogen hatte. Dabei stellte er fest, dass in der Mercedes Werkstatt alle Dieselleitungen nur aufgesteckt und keine wieder festgeschraubt waren. Dies führte dazu. dass mal wieder gar nichts ging und Stück für Stück das ganze Dieselsystem für Motor und Standheizung entlüftet werden mußte. Wir hofften nun endgültig die Pechsträhne hinter uns zu lassen.
Nachdem wir nun den südwestlichen Zipfel Argentinien erkundet hatte, wollten wir auch im Südosten bis an das Ende der Ruta Nacional 24 Complementaria J, an den Rio Moat fahren. Das sind gut 60 Km ab der Bahia Almirante auf Piste nach Osten.
Estancia Haberton, 1886 von Thomas Bridges gegründet, war die erste Estancia im argentinischen Feuerland. Heute vermarktet sich die Ranch touristisch, mit Museum, Café und Ausflügen zur Pinguininsel.
Die abwechslungsreiche Piste führt durch Weideland, schlängelt sich entlang der Küste und passiert auch ausgedehnte Wälder bis wir kurz hinter dem Rio Moat am Ende der Straße und einem Tor zum Standort der Argentinischen Küstenwache standen.
Wir suchten uns an der Mündung des Rio Moat einen schönen, aber windigen Nachtplatz.
Windflüchter, so nennt man Bäume oder Sträucher, die stark dem Wind ausgesetzt sind und von ihm geformt werden. Sie sind normalerweise geneigt oder haben nur auf einer Seite dichte Äste.
Nach diesem Ausflug schlugen wir unser Lager in Puerto Almanza auf. Der Ort bezeichnet sich als das südlichste Dorf der Welt und ist bekannt als Ausgangspunkt für die Königskrabben Fischerei im Beagle-Kanal und angrenzenden Gewässern. Der Fang und die Vermarktung der seltenen Krabben spielt wirtschaftlich eine wichtige Rolle in dieser Region.
Puerto Almanza
Kleinere Expeditionsschiffe und auch große Kreuzfahrer passieren den Beagle-Kanal
Chimangokarakara
Natürlich wollte Achim gerne Königskrabbe essen, aber 180 € sollte es auch nicht kosten, also beließ er es bei Krabbenempanadas als Vorspeise und danach einen schwarzen Seehecht (Merluza Negra). Für Andrea war die Auswahl in einem Fischrestaurant eher begrenzt, Nudeln oder…Nudeln.
In Puerto Almanza erreichte uns noch eine Schlechtwetterfront mit Dauerregen und Temperaturen von 3-4°C, die wir dort aussaßen bevor wir den Weg nach Norden antraten.
Auf dem Weg zum südlichsten Grenzübergang nach Chile, dem Paso Rio Bellavista, wählten wir kleinere Pisten und verbrachten einen Tag bei schönem und windigem Wetter am herrlich gelegenen Lago Yehuin. Hier befindet sich auch das verlassene Hotel „Hosteria Yehuin“.
Lago Yehuin
ehemalige Hosteria Yehuin





























































































































