2025 Südamerikatour 3, Patagonien

Patagonien

18.12.2025 – 04.01.2026

Nachdem wir die Grenzformalitäten für die Einreise nach Chile am kleinen Grenzübergang Paso Rio Bellavista erledigt hatten, fuhren wir zum Lago Blanco, wo wir eine recht windige Nacht verbrachten.
Obwohl der chilenische Teil Feuerlands flächenmäßig größer als der argentinische ist, leben hier nur knapp 10.000 Menschen (im argentinischen Teil immerhin ca. 190.000 Menschen).


Nachtplatz am Lago Blanco

Bevor wir uns auf den Weg zum südlichsten Punkt bzw. dem Ende der Ruta Y-85 machten, besuchten wir das Valle de los Castores, das Tal der Bieber. Es handelt sich hier um Nachkommen der 1946 eingeführten 20 Nordamerikanischen Bieber nach Ushuaia. Da es auf Feuerland keine natürlichen Feinde gibt haben sich die Bieber stark vermehrt und massive ökologische Veränderungen verursacht. Ihre Dämme führen oft zu überfluteten Wäldern und damit zum Absterben großer Flächen von Südbuchen, die als Geisterwälder zurück bleiben.

Tal der Bieber

Bieberburg

Nicht nur im Tal der Bieber sondern auch entlang der Straße nach Caleta Maria sahen wir die vielen Bieberdämme. Dennoch waren wir ganz begeistert, als wir den ersten Bieber erspähten und die possierlichen Tiere beobachten konnten.

Die Piste nach Süden führte über zwei Pässe, vorbei an Seen und durch unberührte Natur. Kurz vor Ende der Ruta Y-85 machten wir noch einen Abstecher zur abgelegenen Bucht Caleta Maria. Vor etwa hundert Jahren war hier ein Holzverarbeitungsstandort.
Wir hatten gehört, dass ein Jahr zuvor ungefähr 30 Königspinguine in dieser Bucht angelandet waren und hofften nun auf entsprechende Begegnungen. Leider trafen wir nur einen einzigen Königspinguin an, der zur Mauser an Land gegangen war. Die Mauser dauert 3-4 Wochen, in denen der Pinguin nicht ins Wasser kann und fasten muss.

Königspinguin

Das südliche Ende der Ruta Y-85, hier geht es nur noch für das Militär weiter

Hier drehten wir um und fuhren zurück nach Norden bis Pampa Guanaco. Dann folgten wir der Straße weiter in nordwestlicher Richtung bis der Ort Cameron an der Küste erreicht war.

Culpeo

Goldschürfbagger von 1904 (Draga Aurifera Russfin), Relikt aus der Zeit des Goldrauschs

Windflüchter

Guanakos mit Nachwuchs

Die kleine Siedlung Cameron hat ihren Ursprung in einer Estancia, einer Schaffarm und wurde nach dem Verwalter Alexander A. Cameron benannt. Sie liegt an der Bahia Inútil und dient hauptsächlich als Verwaltungs- und Versorgungsort. Auch wir kauften dort im einzigen Laden ein paar frische Lebensmittel.

Cameron

Von Cameron führt eine Piste weiter nach Süden bis Puerto Arturo. Dorthin wollten wir auch. Zunächst ging es entlang der Küste, dann durch schönen dichten Wald und weiter über das Land verschiedener Estancias, wobei die Gatter geöffnet und wieder geschlossen werden mußten. Der Himmel verfinsterte sich zusehends und der Zustand der Piste wurde rapide schlechter, dass wir unsere Unternehmung nach 2/3 des Weges abbrachen, zumal wir alleine unterwegs waren.

entlang der Ruta Y-897

Weihnachten stand kurz bevor und wir hatten uns mit Freunden, die mit einem Mietwagen in Chile unterwegs waren, in Puerto Natales verabredet. So fuhren wir nach unserem kleinen Abenteuer direkt an die Nordspitze Feuerlands, um die Fähre zum Festland zu nehmen. Wir hatten uns für den 24. Dezember auf dem Campingplatz mit Kerstin und Ulli verabredet. Da wir einen Tag früher ankamen nutzten wir die Zeit in der Stadt für Erledigungen und Einkäufe, als plötzlich Ulli vor uns stand. Das passte wunderbar, also verbrachten wir drei gemeinsame Tage mit quatschen, kochen, essen und trinken. Weihnachten in der Ferne aber dennoch mit Freunden!

Puerto Natales

Weihnachtsvorbereitungen

Weihnachtstage mit Kerstin und Ulli

Am 26. verabschiedeten wir uns wieder von den Beiden, ihre Reise ging weiter nach Feuerland und wir hatten noch 10 Tage Zeit, bevor wir in Punta Arenas unseren Besuch Luca vom Flughafen abholen mußten.
Wir entschieden uns dem Torres del Paine NP einen zweiten Besuch abzustatten und intensiv nach Pumas Ausschau zu halten. Aber zuerst besuchten wir den Lago Sarmiento vor den Toren des Parks. Das Wetter war sehr stürmisch mit Böen über 100 km/h, so dass wir abends nochmal einen geschützteren Nachtplatz suchten. Dennoch war es eine sehr unruhige Nacht und Paulchen schaukelte wie ein Schiff auf hoher See.

Lago Sarmiento

Am nächsten Tag hatte der Sturm etwas nachgelassen und wir besuchten die Laguna Verde, einem Teil des TdP NP, deren Zugang aber über eine private Farm führt.

Estancia Lazo

Laguna Verde

Für die nächsten drei Tage verlegten wir unseren Standort an die Laguna Azul, einem wunderschönen See mit tollem Blick auf die „Türme“ (natürlich nur wenn das Wetter mitspielt). Von hier aus unternahmen wir täglich „Safaris“ entlang der Strecken wo es des öfteren zu Puma Sichtungen kommt. Aber leider hatten wir auch bei diesem zweiten Besuch kein Glück. Gegenüber unserem ersten Besuch Mitte November war an der Vegetation deutlich zu erkennen, dass der Frühling langsam in den Sommer überging.

Lupinien soweit das Auge reicht

Guanakos

Schöpfende

Magellangans

Von der Laguna Azul unternahmen wir auch einen Ausflug in das angrenzende Torres del Paine Conservation Reserve, ein privates Naturschutzgebiet, das der Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme dient und nachhaltigen Tourismus ermöglicht.

Torres del Paine Conservation Reserve

Smaragdsittich

Chileschwalben

Sonnenaufgang an der Laguna Azul

Pantoffelblume

Porzellan-Orchidee

Magellandrossel

Andenpolster

Blick auf die „Türme“

Unser Termin in Punta Arenas rückte näher und auf viele Menschen an Silvester hatten wir auch keine Lust, deshalb verließen wir am 31. Dezember die Laguna Azul und fuhren nach Süden bis nach Villa Ponsomby, von wo wir mit der Fähre über den Fitz Roy Kanal auf die Isla Riesco übersetzten.
Die Isla Riesco ist die viertgrößte Insel Chiles mit beeindruckender Landschaft. Die Insel ist sehr dünn besiedelt und traditionell wird auf weitläufigen Estancias Schaf- und Rinderhaltung betrieben. Außerdem besitzt die Insel große Kohlereserven, die schon in kleinem Umfang seit 1880 abgebaut wurden. Ein Großprojekt für einen Kohletagebau wurde nach wenigen Jahren wegen Umweltrisiken für das Ökosystem 2019 wieder eingestellt.
Da es auf der Insel nur im östlichen Teil einige wenige Pisten gibt bleibt der weitaus größte Teil fast unerreichbar und gehört darüber hinaus auch zum Nationalpark Kawésqar.

Ausflug zur Isla Riesco

Vom Fähranleger nahmen wir zuerst die südliche Piste und passierten einige Farmen sowie  abgesperrte Areale der ehemaligen Kohlemine. Am Strand fanden wir einen schönen Übernachtungsplatz.
Da hier kein großes Silvesterfeuerwerk zu erwarten war und wir nach der langen Fahrt auch recht müde, verlegten wir unseren Neujahrsbeginn um 4 Stunden vor, auf deutsche Zeit. In einer Videoschalte zu Freunden in Deutschland stießen wir gemeinsam auf das neue Jahr 2026 an!

Hier weht meistens eine steife Briese

Am nächsten Tag folgten wir der Piste weiter bis sie schließlich auf einer Farm endete. Die Landschaft war sehr abwechslungsreich, Grasland, Wälder und undurchdringliches Buschland. Nun wollten wir auch noch die nördliche Strecke in Augenschein nehmen. Der Wind hatte kräftig zugenommen, die Wellen schwappten schon bis an die Piste, und die Landschaft auf der Nordseite war langweiliges Grasland ohne Bäume oder Sträucher, dass wir nach einigen Kilometern umdrehten.

Mit der Fähre setzten wir als einzige Passagiere wieder auf das Festland über und schlugen die Richtung nach Punta Arenas ein. Während der Fahrt sahen wir plötzlich unweit der Piste viele große Vögel auffliegen. Hier lag vermutlich ein totes Tier auf der Weide und verursachte eine große Zusammenkunft von Kondoren und anderen Greifvögeln.  Achim legte eine Vollbremsung hin, schnappte sich die Kamera und war die nächste halbe Stunde beschäftigt. Es war schon sehr beeindruckend diese riesigen Vögel aus geringer Entfernung zu sehen.

Andenkondor

Schopfkarakara

Punta Arenas wir kommen…

Weiter geht es mit Teil 4